Dem amerikanischen Kino eilt inzwischen nicht mehr unbedingt der Ruf voraus, den innovativsten und künstlerisch wertvollsten Output zu erzeugen. Zu stereotyp sind seine Filme geworden, zu massenangepasst die meisten Storys. Ein großes Publikum muss angesprochen werden, um möglichst hohe Einspielergebnisse zu erreichen.
Man könnte zuweilen verzweifeln, gäbe es nicht einige Ausnahmen von dieser Regel. Die Werke Tim Burtons sind so eine Ausnahme – sicher treffen sie nicht den Geschmack von jedem – das müssen sie aber auch nicht. Besonders die brillante Optik – eine Mischung aus expressionistischen Kulissen und morbidem Beiwerk zieht sich wie ein roter Faden durch Burtons gesamtes Werk. Das und die meist bombastischen Soundtracks machen jeden Film für Fans sofort als „echten Burton“ erkennbar.
1993 wagte Burton ein Experiment – er drehte ein Musical in Stopp-Motion Technik – eigentlich eine längst veraltete Methode um den Knetmännchen virtuelles Leben einzuhauchen. Dabei werden die Figuren von der Filmkamera in Einzelbildern fotografiert und Stück für Stück bewegt um dann als Ergebnis im Film fließende Bewegungen zu erzeugen. Eine sehr aufwändige Methode und auch ein Wagnis, denn wie die Zuschauer auf so einen Film reagieren würden war nicht klar. Der Erfolg lies aber nicht auf sich warten und „Nightmare before Christmas“ ist heute so etwas wie ein Kultfilm geworden. Er stellt auch so etwas wie ein Schlüsselwerk Burtons dar, obwohl eigentlich nicht er selbst Regie führte, sondern Henry Selick.
Nun ist dieses Werk also auf dem neuen hochauflösenden Medium Blu ray erschienen. Dies nehme ich zum Anlass, um den Film etwas genauer vorzustellen.
Handlung
Das dünne Skelett Jack Skellington ist der „Kürbiskönig“ von Halloweentown. Alljährlich wird dort das Halloween-Fest vorbereitet und es wird zu diesem Anlass bei den gruseligen Gestalten kräftig gefeiert. Dunkel und morbide sieht es in Halloweentown aus, aber das Ambiente passt sehr gut zum gruseligen Geschäft.
Jack ist von dieser tristen Stimmung aber inzwischen gelangweilt es gibt immer nur die gleichen Scheußlichkeiten zu sehen – als er bei einem Spaziergang eine geheime Tür öffnet, traut er kaum seinen Augen – er befindet sich in einer fröhlich-bunten Weihnachtsstadt. Der Kürbiskönig ist begeistert von all der Farbenpracht, von der Fröhlichkeit der Menschen, doch den tieferen Sinn von Weihnachten versteht das Skelett natürlich nicht.
Trotzdem – Er will eine tragende Rolle bei diesem fröhlichen Fest spielen! Ein Kostüm ist schnell geschneidert, der echte Weihnachtsmann wird kurzerhand entführt und Jack will nun selbst den Nikolaus spielen. Ob die Kinder dieses Jahr nur ein schreckliches Weihnachten erleben dürfen?
Nightmare before Christmas Stop-Motion in Perfection
Zuerst die für viele Zuschauer wohl erstaunlichste Wahrheit über „Nightmare before Christmas“: Auf dem Regiestuhl nahm Tim Burton nicht selbst platz, sondern diese Aufgabe fiel Regisseur Henry Selick zu. Die unverwechselbare Optik und die liebevoll erzählte Story verrät aber: Burton war für das Buch und die Figuren verantwortlich. Zusätzlich produzierte der exzentrische Regisseur den Film – somit wurde „Nightmare before Christmas“ zu einem echten Burton, bei dem eben nur ein anderer Regisseur die Regie führte – so konnte sich Burton auf andere Aspekte und Details des Films konzentrieren, als nur die technische Seite zu leiten.
Wie schon weiter oben erwähnt wurde der Film in handwerklich sehr aufwändiger Stop-Motion Technik realisiert. Dabei werden von den Modellfiguren Einzelbilder aufgenommen, die nach und nach zu einem ganzen Film werden.
Erläuterungen zur Stop-Motion Technik in Wikipedia
Herausgekommen ist bei dieser Zusammenarbeit eines der schönsten Musicals der 90er Jahre. In den äußerst detailliert gestalteten Sets, welche mich ein wenig an die expressionistischen Kulissen in „Das Kabinett des Dr. Caligari“ erinnern, wimmelt es nur vor phantasievollen Gestalten, von denen jede Einzelne mit einem eigenen Charakter ausgestattet wurde. Diese Detailverliebtheit kann nur einem Gehirn wie dem Tim Burtons entsprungen sein.
Ebenso ausgefeilt und gut getimed wird die Geschichte des „Kürbiskönigs“ Jack Skellington erzählt – sie entwickelt bereits nach kurzer Zeit eine phantasievolle Welt, in der sich der Zuschauer förmlich verlieren kann. Die Figuren und Welten sind Modellbaukunst auf höchster Ebene. Immer zum richtigen Zeitpunkt kommt wie in Musicals üblich, als kleine Unterbrechung ein ohrwurmtaugliches Liedchen zum Einsatz, von denen die meisten sogar zum Mitsingen animieren.
So ist „Nightmare before Christmas“ ein wunderschönes Grusical für die ganze Familie, das man immer wieder gerne in den Player legt – keine Angst vor den nur am Anfang etwas gruseligen Gestalten. Diese herzensguten Monsterchen wachsen dem Zuschauer im Laufe der Handlung förmlich ans Herz, weshalb sich dieser Film auch für jüngere Zuschauer eignet. Alle diese Zutaten machen den Charme und die einzigartige Qualität dieses Films aus – und sie machen „Nightmare before Christmas“ definitiv zu einem meiner Lieblingsfilme.
9/10 Punkten
Die Blu Ray
Die Blu Ray kommt wie viele Disney-Erstveröffentlichung im schicken Hologramm-Pappschuber in den Handel. Bei der Restaurierung des Bildes, sowie des Tons haben die Experten wahre Wunder vollbracht. Nicht dass die DVD unter einem besonders schlechten Bild gelitten hätte, aber diese Blu ray stößt noch einmal in ganz andere Sphären vor. Schließlich muss man bedenken, dass es sich um einen Film aus dem Jahr 1993 handelt und nicht um eine aktuelle Computeranimation – er wurde somit auf herkömmlichem Filmmaterial in Stop-Motion Technik gedreht.
Durch diese Restaurierung des Masters erreichen die Bildwerte nahezu Höchstwertungen, nur ein paar winzig kleine Mängel kann ich beanstanden. In einigen Szenen fallen dem geübten Auge leichte Doppelkonturen auf, was für eine „Nachschärfung“ des Bildes spricht. Besser kann aber so ein Film auf Blu Ray nicht aussehen – die Bildschärfe ist fast durchgängig sehr hoch und vor allem stimmen der Kontrast und der Schwarzwert – alle Details in den dunklen Bildteilen sind zu erkennen – gerade bei einem Film dessen Szenen vielfach dunkel gehalten sind, ist das von essenzieller Bedeutung.
Beim Ton sieht die Sachlage ähnlich gut aus, wie beim hervorragenden Bild. Alle Tonspuren können gegenüber denen vergangener Veröffentlichungen dieses Films, noch einmal deutlich zulegen. Ein wahrer Soundhammer erwartet den Filmliebhaber aber in Form der englischen Dolby True HD 7.1 Tonspur. Räumlich, dynamisch und einfach sensationell!
Schade, dass die Blu Ray nicht eine ähnlich hochwertige Verpackung spendiert bekommen hat, wie die 2-Disc DVD-Veröffentlichung. Diese etwa nur halb so teure DVD-Version macht sich mit ihrem 3D-Jack Skellington Gesicht richtig gut im heimischen Regal. Die Extras sind übrigens bei beiden Versionen fast identisch – bei der Blu Ray gibt es als einzigen Bonus gegenüber der DVD, zusätzlich eine kurze Einführung von Tim Burton.
Verfügbare Tonformate
- Deutsch: DTS 5.1
- Englisch: Dolby True HD 7.1
- Englisch: Dolby Digital 5.1
- Italienisch: DTS 5.1
- Finnisch: DTS 5.1
- Spanisch: DTS 5.1
Extras:
- Trailer
- Kapitelanwahl / Szenenanwahl
- Making Of
- Animiertes DVD-Menü
- Menü mit Soundeffekten
- Neue bisher unveröffentlichte Extras
- Nanu? - Jacks Tour durch die Geistervilla
- Tim Burtons Original-Gedicht - vorgetragen von Christophert Lee
- Neuer Audiokommentar von Tim Burton - Regisseur Henry Selick und Komponist Danny Elfman
- Neue Einführung von Tim Burton zu
Frankensteenie - Der kleine süße Horrorhund
- Zusätzliche Szenen
- Kurzfilme aus Tim Burtons kleinem Horrorkabinett
- Frankensteenie - Der kleine süße Horrorhund
- Vincent
- Vom Storyboard zum Film
- Kinoposter
- Galerie: Die Fantasiewelt von Tim Burtons NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS
- Exklusives Blu-ray Einführung zum Film von Tim Burton
Links
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